JFMH2019 - Thema

„Schöne neue (digitale) Welt“?! - Zwischen Potential und Herausforderung?!

Die Lebenswelt von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ist heutzutage von zahlreichen Medien geprägt. Moser (2010, 14) stellt hierzu fest, dass Medien heute die Poren der Gesellschaft weitestgehend durchdrungen haben. Die Chancen scheinen beinahe grenzenlos zu sein. Die Speicherung digitaler Daten benötigt wenig Platz, die Kosten zur Speicherung sind gering, und die Daten können verlustfrei vervielfältigt und weiterverarbeitet werden. Computer, Tablets und Smartphones ermöglichen einen Zugriff auf vielfältige Daten wo und wann wir wollen. Smart Homes erlauben es uns Thermostate, Rauchmelder und noch vieles anderes zu Hause und von überall zu überwachen und zu steuern. Mit Hilfe von Smart Watches können wir uns selbst vermessen, wodurch eine Selbstoptimierung möglich wird – auch im Wettbewerb mit anderen.

Gleichzeitig zeigt sich, dass Individuen – über die Generationen hinweg – noch nicht über adäquate Kompetenzen im Umgang mit eben diesen (digitalen) Medien verfügen. Bos und Andere (2014) sprechen in diesem Zusammenhang auch von digitalen Analphabeten. Auch bei Studierenden zeigt sich, dass diese teilweise nur ein geringes Verständnis von fortgeschrittenen Funktionen digitaler Anwendungen haben und in der Breite nicht in der Lage sind, fortgeschrittene Recherchetechniken anzuwenden sowie die Qualität von Internetseiten adäquat einzuschätzen (Kerres 2017, 4ff.).

Gleichzeitig sieht sich die Gesellschaft mit den umfassenden Effekten und Herausforderungen der Digitalisierung konfrontiert. So ist die Digitalisierung im Bildungsbereich auf Bundes- und Länderebene ein hochaktuelles Ziel, was sich z.B. im DigitalPakt#D des BMBF niederschlägt. Mit dem Fokus auf den „Kompetenzen in der digitalen Welt“ wurde von der Kultusministerkonferenz auch inhaltlich ein fächerübergreifender Rahmen (Bildungsstandards) geschaffen, innerhalb dessen die Digitalisierung des deutschen Schulsystems vorangetrieben werden soll (KMK, 2016). Und auch die Bundesregierung hat vor diesem Hintergrund mit der „Digitale Agenda 2014-2017“ ein Konzept vorgelegt, wie weitere Entwicklungen im Rahmen der Digitalisierung positiv begleitet und gestaltet werden sollen. In diesem Konzept spielt auch die digitale Bildung eine wichtige Rolle, mittels derer die Voraussetzungen geschaffen werden sollen, um Menschen in einer digitalen Wissensgesellschaft auf die Anforderungen der Arbeitswelt vorzubereiten und sie zur gesellschaftlichen Teilhabe zu befähigen.

Damit sind sowohl Bildungseinrichtungen, als auch die Forschung gefordert sich mit diesen veränderten Rahmenbedingungen auseinanderzusetzen. Hierzu benötigen wir vor allem drei Dinge (Stratmann, in print):

  • einen (gesellschaftlichen) Diskurs, der sich mit den Folgen der Digitalisierung auseinandersetzt
  • Digitale Kompetenzen, die es Individuen ermöglicht selbstbestimmt und mündig in einer digitalen Welt zu leben
  • (staatliche) Vorgaben, die den Schutz der Daten und Interessen der Bürgerinnen und Bürger sicherstellen

Die Tagung Junges Forum Medien und Hochschulentwicklung möchte sich in an der PH Weingarten mit diesen Themen auseinandersetzen und den Fragen nachgehen:

  • Welche Rolle kommt den (Hoch)Schulen in diesem Kontext zu?
  • Wie können (zukünftige) Lehrende systematisch auf die mit der Digitalisierung verbundenen Aufgaben vorbereitet werden?
  • Welche Inhalte sollten hier behandelt und welche Kompetenzen aufgebaut werden?
  • Wie lassen sich entsprechende Kompetenzen erfassen und bewerten?
  • Sind diese Überlegungen Wunschvorstellungen oder Realitätsbezogen?